Führungspotenzial entwickeln, statt auf vollständig vorbereitete Nachfolger zu warten
Michael Watkins plädiert dafür, bei der Nachfolgeplanung Führungskräfte zu bevorzugen, die bereit sind, in unternehmensweite Führungsrollen hineinzuwachsen, statt Kandidaten, die als vollständig vorbereitet gelten. Flachere Hierarchien, grenzüberschreitende Unsicherheit und KI-gestützte Analysen erschweren den Übergang von funktionaler Expertise zu umfassenderen Führungsaufgaben. Er empfiehlt frühzeitige funktionsübergreifende Einsätze, die Urteilsvermögen, Anpassungsfähigkeit und Emotionsregulation auf die Probe stellen, sowie Bewertungen, die sich auf das Lernpotenzial statt allein auf Qualifikationen und bisherige Leistungen konzentrieren. Die Unterstützung sollte über die Ernennung hinausgehen: vorab durch eine Analyse der Stakeholder und Hospitationen, anschließend durch Coaching, Gesprächsrunden zum Zuhören, Teamanalysen und strukturiertes Feedback, während die Führungskräfte in ihre Aufgaben hineinwachsen.
Warum es wichtig ist: Die Besetzung von Führungspositionen erfordert einen Entwicklungsplan, nicht nur eine Auswahlentscheidung. Herausfordernde Aufgaben und Unterstützung beim Übergang bieten konkrete Möglichkeiten, Nachfolger auf Verantwortungsbereiche vorzubereiten, die in ihren bisherigen Rollen noch nicht umfassend erprobt wurden.
Quelle: “Leadership development: Why ready-enough beats ready-now” — IMD (Lausanne), 7. Oktober 2026
